|
Über 180000 Quadratmeter dehnt sich der Jungbrunnen von Heviz
in einem Schutzwald am Balaton aus. Im Sommer wuchern rote Lotusblumen
und weiße Seerosen am Uferrand dieses größten Warmwasserteichs
Europas.
NUR 460 FORINT (rund 3,50 Mark) kostet der Eintritt in das
historische hölzerne Badehaus, das wie eine Halbinsel in den leicht
dampfenden See hinausragt. Und den obligatorischen schwarzen
Schwimmreifen kann man für 90 Pfennig ausleihen. Denn die Anlage ist
weder im Besitz eines der nahen Vier-Sterne-Hotels oder einer
Investorengruppe, sondern eine ganz normale "Fürdö", eine
staatliche Badeanstalt.
Friedrich Löffler gehörte Anfang der 90er Jahre zu den deutschen
Kur-Pionieren, die im Osten nach preiswerten Alternativen zu den
heimischen Heilbädern suchten. Damals war Heviz
noch fest in der Hand ungarischer Kurpatienten mit Arthrose,
Bandscheibenschäden, Ischias, Osteoporose, Gicht und Knochenbrüchen,
die auf Kassenkosten ihre kranken Glieder ins radonhaltige
Schwefelwasser tauchten. Heute müssen die Bademeister vor allem Deutsch
sprechen.
Die Umkleidekabinen sind spartanisch wie anno dazumal. Und noch immer
klettert man vorsichtig über ausgewaschene Holztreppen in die
Seewasserkammern im Innern des Kabinentrakts. Hier hat das heilende
Wasser Badewannentemperatur: 36 bis 38 Grad. Wer durch das Labyrinth von
Betonsäulen und Flügeltüren unter dem Gebäude hindurch ins Freie
schwimmt, kühlt langsam ab. Doch je nach Außentemperatur hält der See
das Jahr über 24 bis 28 Grad. Genug, um wohlig treibend die filigrane
Holzarchitektur des Badehauses zu bewundern.
Eine halbe Stunde Wässerung täglich ist genug. Mehr erschöpft.
Weitere Therapien mit dem Schlamm aus dem Wundersee gehören zum
Standardprogramm aller umliegenden Kurhotels. In einem Vier-Sterne-Haus
wie dem "Carbona" kostet eine original Hevizer
Fango-Torf-Packung 33 Mark. Billiger gibt's den Schlamm und die anderen
Anwendungen im staatlichen Kurmittelhaus. Dort kehren die Gäste der
vielen kleinen Pensionen ein, nehmen die nüchterne AOK-Atmosphäre in
Kauf: serienweises Einschlämmen und knappe Duschräume. Und mangels
Pflegern helfen sich die Kurgäste gegenseitig beim Abschrubben des
heilkräftigen Batzes.
Das Gesundheitsgeschäft am See boomt. In dem 4700-Seelen-Ort stehen
bereits 10000 Hotel- und Pensionsbetten, und überall wird neu gebaut.
Kaum ein Hevizer, der nicht am Kurtourismus
beteiligt ist. An den meisten Privathäusern bieten Werbeschilder
Fremdenzimmer, Kosmetik, Massage, Honig, Walnüsse, Haareschneiden,
Zigeunermusik oder Zähneziehen an. Die Oma von Friedrich Löffler hat
sich hier ihr neues Gebiss anpassen lassen: "Billig und gut."
....mehr finden Sie direkt beim

(unter "Suche" Heviz eingeben!!!)
|